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Pressekonferenz zur ersten deutschen Studie: „Zu Risiken und Nebenwirkungen von Arzneimittel-Zuzahlungen“ im Haus der Bundespressekonferenz am 17. Februar in Berlin.
Erkenntnisse aus internationalen Studien belegen, dass die Arzneimittel-Zuzahlungen die Therapietreue der Patienten negativ beeinflussen und nicht zu dem gewünschten Effekt, dem verantwortungsbewussten Umgang mit Medikamenten, führen, so Dr. Dr. Holst.
Vielmehr zeichne sich ab, dass sich die Therapietreue durch Zuzahlungen entscheidend verschlechtere. So werden ärztlich verordnete Rezepte aufgrund der Zuzahlungen nicht eingelöst oder die Dosierung werde gestreckt, so dass der Patient eine Therapieverschlechterung in Kauf nehme. Diese Effekte seien umso stärker, je höher die Zuzahlungs-Belastung ausfalle.
„Was nichts kostest ist nichts wert“ – dieser Satz wird im Kontext von Arzneimitteltherapie und Zuzahlungen ins Gegenteil verkehrt.
Erste Auswertungen zeigen, dass über 70 Prozent der Teilnehmer keine Verbesserung der Einnahmetreue und damit des Therapiererfolgs durch die Medikamenten-Zuzahlungen erwarten.
Ferner zeigt sich in den Zwischenergebnissen, dass ärztliche Information und Beratung zentrale Instrumente sein können, um die Therapietreue zu steigern. Denn die mangelnde Therapietreue ist anderthalbmal bis doppelt so hoch, wenn Patienten von ihren Ärzten gar nicht oder nur sehr begrenzt über die verordneten Medikamente informiert wurden. Diese Beratung könnte natürlich auch bei Abgabe der Medikamente durch Apotheker geleistet werden, aber leider, so Prof. Dr. Glaeske „ist in 40 Prozent der Apotheken die Übergabe von Medikamenten eher kommunikationslos."
Nach Meinung des Bremer Gesundheitsökonoms Prof. Dr. Glaeske, der dem Sachverständigenrat im Gesundheitswesen angehört, sind die Arzneimittel-Zuzahlungen unsozial, da diese vor allem zu Lasten von chronisch Kranken gehen.
Die Studie wird seit November 2009 vom Bremer Institut für Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung (BIAG) in Zusammenarbeit mit der SANICARE Versandapotheke durchführt. Bereits über 2000 Patienten haben sich zur Teilnahme an der Studie angemeldet – es werden aber weitere Freiwillige gesucht, um mit einer Anzahl von ca. 6000 Teilnehmern allgemeingültige Aussagen treffen zu können.
Dies zahlt sich auch finanziell aus: Teilnehmern erstattet das BIAG die Hälfte der Zuzahlung.